Archiv für den Monat: Januar 2018

Seegang

Seegang

Ich habe eine Woche auf einem Schiff verbracht. Ich werde nie seekrank, habe von der Umstellung für meinen Körper auf dem Meer kaum etwas gemerkt. Nun bin ich zu Hause und am zweiten Tag schaukelt mein Körper immer noch wie auf Seegang. Ich gehe durch die Fußgängerzone und fühle mich, als würde ich über Deck gehen, das Deck schwankt. Ich lege mich auf den Boden, um eine Tanzübung zu machen. Ich brauche mich nicht zu bewegen, denn die Wellen schwappen durch meinen Körper – von den Zehen hoch zum Kopf, von einer Seite zur anderen. Mein Atem führt mich zu meinem Kreuzbein und es verbindet sich mit einem Felsen am Meeresgrund. Der Rest von mir wird zur Seepflanze und bewegt sich mit den Strömungen… Ich brauche nichts zu tun, mein Körper weiß, wie er sich „reorganisiert“.

Eine neue Körpererfahrung und „Erdung mal anders“…

Körperwahrnehmung, Kreativität und Überraschung

Körperwahrnehmung, Kreativität und Überraschung

Für mich ist das Faszinierende an Körperwahrnehmung und Kreativität die Überraschung. Egal, ob es um Pädagogik, Therapie oder „pure Kunst“ (und diese Unterscheidungen sind wohl sowieso mehr als zweifelhaft…) geht – wenn ich mich in den Strom begebe, die „Dinge geschehen zu lassen“, dann kann ich nie vorhersehen, welche Bewegungen kommen, welche Lösungen entstehen…ich schaue das Bild an, dass ich gemalt habe, ich bin einfach den Bewegungen des Pinsels gefolgt und bin erstaunt, in welchem Winkel meines Unbewussten wohl dieses Bild gesteckt hat. Ich habe einen Moment die Ebene des Denkens, Planens, schon Wissens und Wertens verlassen und mich einfach auf das Sein eingelassen – eigentlich eine Meditation ohne Ziel. Auch in der Therapie: Da ist z.B. gefühlte Enge, Druck, Not im Solarplexus – im Spüren kommen vielleicht nach dem Erleben dieser Starre und Atemlosigkeit wilde Bewegungen, vielleicht ein ein sanftes Strömen, das Erleben der eigenen Lebendigkeit (wo war das unter dem ganzen Elend…), ein Bild von einem in Beton gegossenen Panter oder zunächst von einem Verschluss, dann von einem tiefen See – niemals hätte ich als Therapeutin mir das „ausdenken“ können, es sind eigene Bilder, Wege und Lösungen. Deshalb ermöglicht Körperwahrnehmung und Kreativität den Zugang zu inneren Ressourcen. Statt immer wieder die gleichen Gedanken und Sorgen zu reproduzieren und den Versuch zu machen, mit großer Willenskraft Lösungen herbeizuführen (jedeR kennt das, oder?), lauscht man nach Innen in ein großes Kräftereservoire. Entscheidend ist die Haltung zu spüren und zuzuhören, beiseite zu treten und sich selbst zu folgen. Dann gibt es natürlich Handwerkszeug, um die Kreativität zu locken, den Raum zu öffnen – im Ende bleibt es ein bissen geheimnisvoll…

https://www.artshop-hkit.de/buecher/tanzbuecher-hkit

http://www.michelecassou.com/

Der Weg des Künstlers: http://juliacameronlive.com/books-by-julia/