Achtsamkeit

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Den Körper spüren, wie er ist, den Atem spüren, den Kontakt zum Boden spüren. Ich muss sagen, dass meine Begeisterung ganz am Anfang, als ich vor 30 Jahren mit körperorientierten Methoden die ersten Erfahrungen machte, nicht so groß war. Ich fand es eher lästig und anstrengend. Wollte lieber bei wilden Tanzbewegungen oder heftigen Yogaübungen „etwa erleben“. Heute bin ich durch meine langjährige Erfahrung „bekehrt“. Meine Tochter macht sich schon über mich lustig, weil ich „Körper spüren“ als Allheilmittel einsetze und empfehle.

Das kommt daher, dass ich gelernt habe, dass in den bewusst gemachten Körperempfindungen die Möglichkeit liegt, Zugang zum psychosomatischen Netzwerk bekommen. Überall ist von „psychosomatisch“ oder „auf das Bauchgefühl“ hören die Rede. Meist wird so diffus davon gesprochen, aber nicht wirklich gesagt, wie es funktioniert. Meine Erfahrung ist: Auf den Körper hören ist ganz einfach und konkret möglich. Ich war bei meinen Erfahrungen damit überrascht, wie wortwörtlich diese volkstümlichen Weisheiten wie „der eigenen Stimme folgen, mit beiden Beinen fest im Leben stehen, zur eigenen Mitte finden“ stimmen. Sie können fast als eine Gebrauchsanweisung durchgehen. Allerdings ist die Sprache des Körpers die Empfindung und die Bewegung. Für viele bedeutet es, diese Sprache (wieder) zu aktivieren wie eine lang brachliegende Fremdsprache, obwohl sie eigentlich die Muttersprache ist… Dieses Zuhören ist am Anfang in der Tat oft etwas ungewohnt, vielleicht auch mühsam, bei großem inneren Stress oft auch mit dem Spüren von schmerzhaften Blockaden verbunden. Lasse ich das Spüren aber weg und gehe gleich in die heftige Bewegung, kann es sein, dass die innere Unruhe bleibt, weil gar kein wirklicher innerer Kontakt hergestellt wurde. Es ist eben auch möglich, sich an der Blockade „vorbeizubewegen“. Es gibt jedoch kein richtig oder falsch. Menschen sind eben verschieden und manche können über Bewegungen besser ins Spüren gehen. Auch für mich ist es an manchen Tagen besser, direkt über die Bewegung zu beginnen. Oft braucht es dafür aber Zeit und Ruhe. Für mich ist es, als würde ich über das Spüren meines Körpers und meines Atems an die Schnittstelle kommen, wo ich echt bin. Da geht ein Tor zu mir selbst auf.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten: Ich gehe über ein Unwohlsein in meinen Körper, spüre dort eine Spannung im Bauch, ich höre mir an, was sie bedeutet und erfahre z.B., dass mir eine bestimmte Situation Angst macht. So kann ich in dieser Verbindung gut für mich sorgen, nach Lösungen suchen. Dieses Wissen hat man interessanterweise in seinem Alltagsbewusstsein oft nicht. Der Verstand findet Angst vielleicht unnötig oder sogar lächerlich und entscheidet sich dafür, dass die Angst „nicht sein darf“. Die Angst hat dann keine Wahl und geht in den „Untergrund“: In Form einer körperlichen Blockade. Der Körper speichert die Angstinformation, bis „jemand“ sie hören will…

Oder aber ich spüre, was sich wie bewegen will. Denn Spannungen oder auch Blockaden sind gestockte Lebensenergie, die selbst weiß, wie sie sich weiterbewegen will. Diese Art sich zu bewegen ist eher ein Zuhören, ein Zulassen der Bewegung, sie entsteht wie von selbst. Dann ist für mich auch im wildesten Tanz eine ganz enge Verbindung zu mir selbst da.

Mal fern vom Körperspüren ist Achtsamkeit natürlich über all die anderen Sinne auch möglich. Z.B. das Sehen oder meditative Zeichnen. Oder Nichts-Tun: Ist natürlich nicht so schick wie Achtsamkeit. Aber wer hat das noch nicht erlebt – Noch entspannt vom Mittagsschlaf mit dem Kaffee einfach dasitzen: Aus dem Fenster gucken, die Lichtstrahlen brechen sich in der Vase, die Vögel zwitschern. Ich finde, es lohnt sich „Werbung“ zu machen für das einfache Sein. Eine Welt fern von Effektivität und dem Gefühl immer etwas tun oder erreichen zu müssen. Diese Welt, in der ich einfach nur da bin, ist wertvoll, weil es schön ist, in ihr zu sein…