Archiv des Autors: Irma Benndorf

Achtsamkeit

Wirksamkeitss 1 011Wirksamkeitss 1 043Wirksamkeitss 1 046

Den Körper spüren, wie er ist, den Atem spüren, den Kontakt zum Boden spüren. Ich muss sagen, dass meine Begeisterung ganz am Anfang, als ich vor 30 Jahren mit körperorientierten Methoden die ersten Erfahrungen machte, nicht so groß war. Ich fand es eher lästig und anstrengend. Wollte lieber bei wilden Tanzbewegungen oder heftigen Yogaübungen „etwa erleben“. Heute bin ich durch meine langjährige Erfahrung „bekehrt“. Meine Tochter macht sich schon über mich lustig, weil ich „Körper spüren“ als Allheilmittel einsetze und empfehle.

Das kommt daher, dass ich gelernt habe, dass in den bewusst gemachten Körperempfindungen die Möglichkeit liegt, Zugang zum psychosomatischen Netzwerk bekommen. Überall ist von „psychosomatisch“ oder „auf das Bauchgefühl“ hören die Rede. Meist wird so diffus davon gesprochen, aber nicht wirklich gesagt, wie es funktioniert. Meine Erfahrung ist: Auf den Körper hören ist ganz einfach und konkret möglich. Ich war bei meinen Erfahrungen damit überrascht, wie wortwörtlich diese volkstümlichen Weisheiten wie „der eigenen Stimme folgen, mit beiden Beinen fest im Leben stehen, zur eigenen Mitte finden“ stimmen. Sie können fast als eine Gebrauchsanweisung durchgehen. Allerdings ist die Sprache des Körpers die Empfindung und die Bewegung. Für viele bedeutet es, diese Sprache (wieder) zu aktivieren wie eine lang brachliegende Fremdsprache, obwohl sie eigentlich die Muttersprache ist… Dieses Zuhören ist am Anfang in der Tat oft etwas ungewohnt, vielleicht auch mühsam, bei großem inneren Stress oft auch mit dem Spüren von schmerzhaften Blockaden verbunden. Lasse ich das Spüren aber weg und gehe gleich in die heftige Bewegung, kann es sein, dass die innere Unruhe bleibt, weil gar kein wirklicher innerer Kontakt hergestellt wurde. Es ist eben auch möglich, sich an der Blockade „vorbeizubewegen“. Es gibt jedoch kein richtig oder falsch. Menschen sind eben verschieden und manche können über Bewegungen besser ins Spüren gehen. Auch für mich ist es an manchen Tagen besser, direkt über die Bewegung zu beginnen. Oft braucht es dafür aber Zeit und Ruhe. Für mich ist es, als würde ich über das Spüren meines Körpers und meines Atems an die Schnittstelle kommen, wo ich echt bin. Da geht ein Tor zu mir selbst auf.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten: Ich gehe über ein Unwohlsein in meinen Körper, spüre dort eine Spannung im Bauch, ich höre mir an, was sie bedeutet und erfahre z.B., dass mir eine bestimmte Situation Angst macht. So kann ich in dieser Verbindung gut für mich sorgen, nach Lösungen suchen. Dieses Wissen hat man interessanterweise in seinem Alltagsbewusstsein oft nicht. Der Verstand findet Angst vielleicht unnötig oder sogar lächerlich und entscheidet sich dafür, dass die Angst „nicht sein darf“. Die Angst hat dann keine Wahl und geht in den „Untergrund“: In Form einer körperlichen Blockade. Der Körper speichert die Angstinformation, bis „jemand“ sie hören will…

Oder aber ich spüre, was sich wie bewegen will. Denn Spannungen oder auch Blockaden sind gestockte Lebensenergie, die selbst weiß, wie sie sich weiterbewegen will. Diese Art sich zu bewegen ist eher ein Zuhören, ein Zulassen der Bewegung, sie entsteht wie von selbst. Dann ist für mich auch im wildesten Tanz eine ganz enge Verbindung zu mir selbst da.

Mal fern vom Körperspüren ist Achtsamkeit natürlich über all die anderen Sinne auch möglich. Z.B. das Sehen oder meditative Zeichnen. Oder Nichts-Tun: Ist natürlich nicht so schick wie Achtsamkeit. Aber wer hat das noch nicht erlebt – Noch entspannt vom Mittagsschlaf mit dem Kaffee einfach dasitzen: Aus dem Fenster gucken, die Lichtstrahlen brechen sich in der Vase, die Vögel zwitschern. Ich finde, es lohnt sich „Werbung“ zu machen für das einfache Sein. Eine Welt fern von Effektivität und dem Gefühl immer etwas tun oder erreichen zu müssen. Diese Welt, in der ich einfach nur da bin, ist wertvoll, weil es schön ist, in ihr zu sein…

Silvestertanz

Silvestertanz

Ich stehe oben im Wald. Mein Sohn füttert unten am Gehege die Ziegen. Ich bin stehen geblieben, nachdem ich mit ihm hochgegangen bin, um Blätter zu sammeln. Hier ist niemand und so nutze ich die Zeit für einen kleinen Tanz. Ich mache die die Übung „Schleusen öffnen“. Ich verlagere das Gewicht von links nach rechts, spüre meine Füße auf dem weichen Waldboden, das Laub raschelt. Die Wintersonne scheint mir warm ins Gesicht. Ich spüre alle meine Schleusen in Bewegung: die Füße, Fußgelenke, Knie, Hüftgelenke, Kreuzbein, die Wirbelsäule – da hakt es. Das Hin und Her in jedem Wirbel und in der Brustwirbelsäule wSilvester 15 032ird es fest. Ich lasse den Atem den Brustkorb ein wenig heben, schon besser, ich lasse auch die Kiefergelenke der Bewegung in der Wirbelsäule antworten, auch das bringt mehr Beweglichkeit. Ich öffne die Augen und sehe den von der Sonne intensiv angestrahlten Ast. Das hätte ich ohne diese kleine Körperarbeit vielleicht gar nicht wahrgenommen. Ich fühle mich jetzt zentriert und dabei in meiner Mitte beweglich und genieße den Anblick des „Naturschauspiels“, das mich nur fasziniert, weil sich meine ganze Wahrnehmung verändert hat. Sonst hätte ich vielleicht nur einen kahlen Wald gesehen, wäre weiterhin leicht genervt und gestresst von diversen Kleinigkeiten gewesen…

Bewußte bilaterale Bewegungen (von links nach rechts) helfen Probleme, Stress und sogar Traumata zu verarbeiten. In dem Buch „Nimm dein Problem und geh los“ von Thom Hartmann http://www.vakverlag.de/791-nimm-dein-problem-und-geh-los.html kann man die Geschichte der bilateralen Therapien (die nicht mit dem EMDR von Shapiro angefangen hat) und seine Art therapeutisch mit dem Gehen zu arbeiten nachlesen. Interessant und alltagstauglich!

Ich finde es aber schöner, es Tanz zu nennen…

An einer Wirksamkeitsstudie HKIT teilnehmen

An einer Wirksamkeitsstudie HKIT teilnehmen

Im Rahmen meiner Abschlussarbeit nehme ich an einem Projekt teil, das die Wirksamkeit der Heilenenden Kräfte im Tanz untersucht. Ab Februar und ab Mai nächsten Jahres ist es möglich, an einem Tanzkurs für die diese Studie teilzunehmen. Am Anfang und am Ende werden die Teilnehmerinnen gebeten, einen Fragebogen auszufüllen. Anmeldung für beide Kurse bitte spätestens bis Mitte Januar 2016.

Tänzerische und tanztherapeutische Körperarbeit im Rahmen einer Wirksamkeitsstudie zur biodynamischen Tanztherapie HEILENDE KRÄFTE IM TANZ® (HKIT®)

Dieser Kurs ist eine Einladung an alle, die den Weg in ihren Körper tanzen wollen. Eine Einladung, den eigenen Atem zu spüren und den eigenen Tanz zu tanzen. Verschiedene Angebote an Übungen und Bewegungen der Tanztherapiemethode Heilende Kräfte im Tanz® lassen Dich in Deinen Körper eintauchen.

Aus der Tiefe Deines Körpers folgst du deinen Impulsen. So entsteht Dein Tanz. Im Laufe des Kurses machen wir eine kleine Reise durch den Körper: Füße, Beine, Becken, Wirbelsäule, Schultern, Arme und Kopf erhalten mit Bewegungsangeboten und Bewegungsbildern Aufmerksamkeit und können so bewusst mit in den Tanz eingebunden werden.

Zeitraum:

10 Abende von Februar – April 2015, jeweils 1,5 Std.

Termine: Donnerstag von 19.30 – 21.00 Uhr

vom 4.2. – 21.4.2016

10 Abende von Mai – Juli 2015, jeweils 1,5 Std.

Termine: Donnerstag von 19.30 – 21.00 Uhr

12.5. – 4.8.2016

Anmeldung für beide Kurse bitte bis Mitte Januar, da die zweite Gruppe auch schon im Februar gebeten wird, einen Fragebogen auszufüllen!

 

die Teilnahme ist kostenlos

Fragebogen:

Während des Tanzkurses wird eine Wirksamkeitsstudie zur Methode Heilende Kräfte im Tanz® durchgeführt. Das bedeutet, dass alle TeilnehmerInnen gebeten werden zu Beginn und am Ende des Tanzkurses einen Fragebogen auszufüllen. Die Beantwortung des Fragebogens dauert ca. 30 Minuten und ist anonym.

 

 

 

Alle Details als Download: Ausschreibung

Ich freue mich über interessierte Frauen, die die Methode einmal kennenlernen möchten!

Tarantella

Tarantella

Tarantella war für mich ein Körpergefühl bei dem alles fließen durfte, so ganz im „Sein.“ (Andrea)

030037024

Was macht man, wenn es in der eigenen Kultur keine Heilungstanzrituale mehr gibt? Ich habe irgendwo gelesen, dass sich ein Kirchenmann im 13. Jahrhundert über rauschende Tanzfeste mit Beckenbewegungen beschwerte und sein „Kollegen“ aufforderte, diese Rituale zu unterbinden. Das heißt, dass „unsere“ Tradition irgendwo im Mittelalter verschollen ist.
Bleibt die Inspiration durch Tanztraditonen, die sich bis in die neuere Zeit erhalten haben. Aber: Es ist nicht möglich einfach Traditionen zu kopieren, sie aus ihrer kulturellen und sozialen Verankerung zu nehmen. Zumindest finde ich, dass es es dann leicht gewollt und künstlich wirkt.
Was ist denn ein Tanzritual? Klingt irgendwie dramatisch. Ich stelle es mir eher wie ein selbstverständliches Zusammenkommen vor. Es gibt Musik und Essen und man unterhält sich über dies und das. Je nach Hintergrund ist es anders – bei der Tarantella wurde das Ritual gemacht, wenn eine Frau „gebissen“ wurde (in eine psychische Krise geraten ist). Aber ist es nicht denkbar, dass alle einfach tanzen, was in ihnen ist? Mit Damasio wissen wir, dass die psychische Wahrheit im Körper steckt. Da ist der Ort, um wieder ins Gleichgewicht zu finden. Die Heilenden Kräfte im Tanz machen es möglich, eine Tarantella authentisch aus dem Jetzt heraus, in der Verbindung mit Körperwahrnehmung und Atem zu tanzen. Sich außerdem mit den Bildern eines Spinnentanzes verbinden: Gleichzeitig wie von der Tarantel gestochen tanzen und auch die Spinne selbst tanzen (das erinnert irgendwie an die Jungsche Traumdeutung, wo im Traum alle Personen Aspekte von sich selbst sind), alte einengende Netze zerreißen, neue lebensbejahende Netze spinnen… Die Bewegungen durch den ganzen Körper fließen lassen, wo vorher Verspannungen und und Blockaden den Bewegungsfluss unterbrochen haben. Wie das läuft ist ganz unterschiedlich: Da kann einfach Lebensfreude sich den Weg bahnen. Da ist es möglich, einen Schmerz zu spüren und auszudrücken. Da kommt vielleicht die runter geschluckte Wut. Das was da ist, im Gewebe sitzt, kommt. Ich weiß, dass Tarantella auch mit „hyperaktiven“ Kindern getanzt wird. Da darf dann mal die ganze Unruhe im Springen und Drehen hinaus… Das ist vielleicht auch für viele andere stressgeplagte Menschen was?

Wichtig an modernen Heilungstanzritualen ist, dass es niemanden mehr gibt, der sagt: so und so muss es gemacht werden. Es ist eine Hinwendung zu sich selbst, ein sich selbst spüren, fühlen wo „es“ sitzt, ein Experimentieren, was gut tut. Da lohnt es sich dann auch, mal neue Bewegungsmuster auszuprobieren.
Ich sehe am dritten Tag des Workshops wie die Bewegungen der Frauen wie Wellen durch ihre Körper laufen. Zusammen mit dem Licht in der Dunkelheit und der Heftigkeit hat es was von Feuer.
Die Wahrnehmung ändert sich. Wir machen einen Morgentanz auf den nebligen Feldern in Liersberg. Wir hängen Kopfüber und gucken zwischen unseren Beinen durch, nachdem mich eine Frau darauf aufmerksam gemacht hat, dass dann die schwarzen, getrockneten Blumen optisch auf einer Höhe mit den Bäumen sind. Eine Frau steht einfach im Nebel und erinnert mich in ihrer Aufrichtung und Präsenz an eine irische Amazone. (Irische Amazone?)
Stille gehört genauso zu Tarantella wie wilde Beckenbewegungen, Sprünge Drehungen, die Wände hochklettern… Die Frauen in der Jahresgruppe sagen: Du musst viel mehr den Wellness-Charakter deiner Angebote betonen, die „Passivität“, die Erholung, das leckere Essen (ein gemeinsam gebrachtes Buffet), das Klönen… Eine andere Frau hat mal gesagt: „So viel gelegen habe ich bei einem Tanzkurs noch nie!“ Ich muss auch an Urlaub denken. Sich zu erlauben mit dem Ursprünglichen da zu sein!